Digitale und analoge Gesellschaft

Frau mit Laptop und Buch

Big- und Open Data, Datenschutz, Netzneutralität, Digitalisierung oder Deep Learning. Themen, die unsere Gesellschaft und Lebensqualität berühren, sind heute fast ausschließlich digitaler Natur. Können das noch alle Menschen nachvollziehen? Teilen wir uns in eine analoge und digitale Gesellschaft?

The Medium is the Message

Seit der Entstehung der Massenmedien fragt sich die Wissenschaft, wie sehr diese digitalen Medien Einfluss auf unseren Alltag nehmen und sich auf den Menschen auswirken. Der Medienwissenschaftler Marshal McLuhan formulierte 1960 die These, dass Medien eine Extension – eine Erweiterung des menschlichen Körpers – darstellen und so zu einer selbstverständlichen Sinneserweiterung der Gesellschaft werden. Das Zusammenspiel zwischen Menschen und Medien formt eine synästhetische Erfahrung, die nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch soziale Beziehungen und eine gesamte kulturelle Identität formt. Damit greift er auch den Gedanken der Globalisierung auf. Durch Massenmedien und ihre globale Verbreitung rücken Menschen und Kulturen näher zusammen.

Über Jahrzehnte hat sich durch Massenmedien und Globalisierung ein globales Dorf geformt, wie McLuhan es beschreibt. Doch nicht jeder Mensch möchte ein Bewohner dieses globalen Dorfes sein. Kritiker dieser rasanten Entwicklung und Verbreitung sehen gesamtgesellschaftliche Gefahren in der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Friedrich Kittler, deutscher Medienwissenschaftler, sieht in Massenmedien „Kinder des Krieges“. In seinem Werk Grammophon Film Typewriter (1985) weist er, ähnlich wie sein Kollege Paul Virilio, polemisch darauf hin, dass uns noch jedes Massenmedium in einen Krieg geführt hat und auch Computertechnologie uns dieses Schicksal bescheiden wird.

„Analog ist das neue Bio“

Kritiker der digitalen Transformation sehen in Themen wie Datenschutz, Netzneutralität, Open Data und Digitalisierung eine zunehmende Bedrohung des Individuums und unserer Datenfreiheit. Für sie ist eine analoge Lebensweise ein Zeichen für eine selbstbestimmte Lebensqualität und Kultur. Aber kann sich diese Lebensweise in unserer fast vollständig digitalisierten Welt lange behaupten?

Besonders im beruflichen und unternehmerischen Umfeld sind die Digitalisierung und Technologisierung der Arbeitswelt nicht mehr aufzuhalten. Um dem starken Markt- und Konkurrenzdruck gerecht zu werden, müssen Unternehmen auch ihre digitale Infrastruktur aktuell halten und technologische Innovationen voranbringen. Bis jedoch jeder kleinste Prozess vollständig digitalisiert ist, wird es noch eine Weile dauern.

Erlebt Analogie ein Comeback?

In der jungen Gründerszene erlebt die Analogie ein Comeback. Analoge Fotografie, Vinylplatten, gedruckte Bücher, selbst Disketten erleben einen neuen Hype und werden damit wieder zu absoluten Markterfolgen. Ein gutes Beispiel dafür ist unter anderem auch die längst totgeglaubte Literaturszene. Der Umstieg auf das E-Book und die damit verbundene Hoffnung auf einen neuen Markt gilt als gescheitert. Der analoge Buchmarkt erzielt immer noch höhere Gewinne als der Digitale. Das kann auch an dem Lebensgefühl liegen, das analoge Medien uns bieten. Sie sind haptisch und fühlbar und vor allem: Sie sind bis zu einem gewissen Grad kontrollierbar.

Wie gehen wir also als Gesellschaft mit diesem Gap um? Verschärft sich der Kontrast immer weiter, bis eine Gruppe gänzlich vom Fortschritt abgehängt ist bzw. sich bewusst verschließt? Bislang existierten beide Gruppen in einer friedlichen Co-Existenz. Medien bleiben Extensionen unseres Körpers und unserer Sinnesorgane. Sie sind aus unserem Lebensumfeld nicht mehr wegzudenken, aber wir können (bis jetzt) immer noch selbst entscheiden, wie viel Einfluss sie darauf nehmen sollen.

Kompromiss: Das Beste aus beiden Welten?

Als Recruiter:innen verbinden wir sowohl die digitale als auch analoge Welt miteinander. Unsere Suchprozesse erfolgen weitestgehend digitalisiert, während wir unsere Kandidaten in Interviews, sollten es die Umstände zulassen, analog kennenlernen möchten. Die Verbindung von technischem Know-how und einer analogen, menschlichen Einschätzung ist für uns die perfekte Balance, von der auch unsere Kund:innen und Kandidat:innen profitieren.

Bildquelle

Google for Jobs Logo
Maria Günther

Google for Jobs – Bedeutung für das Recruiting

Seit Mai 2019 ist Google for Jobs in Deutschland aktiv und hilft Suchenden, passende Vakanzen in der Nähe zu finden. Das Angebot war zu Beginn spärlich, viele Karriereseiten mussten erst für den Google-Algorithmus optimiert werden. Was hat sich seitdem getan?

Weiterlesen »
Prozessdigitalisierung HR Icons
Denise Killmann

Automatisierung im Recruiting

Mit der Digitalisierung gehen auch Automatisierungs-Prozesse in der Personalgewinnung einher. Im Fokus dieser Automatisierung stehen die Faktoren Zeitersparnis und Effizienz. Wie können diese umgesetzt werden?

Weiterlesen »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.