Der Arbeitsmarkt im Wandel – ein Update

21,1 % der deutschen Arbeitnehmer:innen erhalten nur Niedriglohn

272.812 Beschäftigte in Deutschland kehren nach der Corona-Krise nicht wieder zu ihrem Arbeitsplatz im Gastronomie-Bereich zurück. Im Hotelgewerbe fehlen 25 % der Beschäftigen, dem Bodenverkehrsdienst der Fluggesellschaften fehlen nach der Pandemie 44 % der Mitarbeitenden. Wo sind die deutschen Arbeitnehmer:innen aus dem Niedriglohnsektor hin?

Alte und neue Probleme des Arbeitsmarktes

Dass die deutsche Wirtschaft unter einem akuten Fachkräftemangel leidet, ist längst bekannt. Jedes zweite Unternehmen kann notwendige Stellen nicht besetzen, weil sich keine geeigneten qualifizierten Bewerber:innen finden lassen. In einem früheren Artikel haben wir schon einmal über die Branchen geschrieben, die am stärksten von dieser Entwicklung betroffen sind.

Nach zwei Jahren Pandemie und wirtschaftlichen Ungewissheiten für viele Arbeitnehmer:innen und Unternehmen kommt nun das große Erwachen: Dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen nicht nur spezialisierte und hochqualifizierte Fachkräfte, sondern auch Beschäftigte, die bisher eher im Niedriglohnsektor tätig waren und nun nach etlichen Unternehmensschließungen nicht wie erwartet an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Konkret bedeutet das: Die Gastronomie muss Öffnungszeiten auf das nun stark reduzierte Personal anpassen, Hotels können nicht voll belegt werden, da die Versorgung der Gäste nicht gewährleistet werden kann, Airlines müssen Flüge canceln, da die Mindestbesatzung für die herkömmlichen verfügbaren Sitzplätze nicht aufgebracht werden kann.

Die Wirtschaft erholt sich schneller als der Arbeitsmarkt

Branchen, in denen eine hohe Fluktuationsquote bisher einfach hingenommen wurde, haben jetzt massiv mit Personalmangel zu kämpfen – und auch mit steigenden Personalkosten, die auf die Endverbraucher:innen umgelegt werden müssen. Bei der aktuellen Inflationsentwicklung ist das ein denkbar schlechter Zeitpunkt.

Die Arbeitslosenquote liegt im April 2022 bei 5%. Zwei Jahre zuvor, im April 2019, lag die Arbeitslosenquote bei 4,9%. Hier ist also kein signifikanter Anstieg spürbar, der den Personalmangel begründen könnte.

Betrachtet man die hohe Fluktuation in den drei Sektoren Gastgewerbe, Gastronomie und Flugverkehr liegt die Frage nahe, wohin die ehemaligen Beschäftigten gewechselt sind.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung konnte ermitteln, dass besonders die Logistik-Branche von den abgewanderten Arbeitnehmer:innen profitiert. Welche Branchen ebenfalls einen starken Personalzuwachs verzeichnen konnten, ist noch nicht abschließend geklärt und wird derzeit weiter untersucht.

Angebot und Nachfrage – Krisenfeste Jobs und Tariflöhne

Die Folgen der Niedriglohnpolitik und der schnellen Austauschbarkeit – und damit verbunden auch die Jobunsicherheit – bekommen Unternehmen nun zu spüren. Befragte Arbeitnehmer:innen gaben an, dass die Corona-Pandemie ihnen auch eine neue Perspektive auf ihr Beschäftigungsverhältnis gegeben hat. Sie sind in krisenfeste Jobs gewechselt, lernen neue Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitsbedingungen kennen und wollen zum Großteil auch nicht wieder in ihren alten Beruf zurückgehen.

Sie profitieren von geregelten Arbeitszeiten, mehr Freizeit und auch von einer besseren Bezahlung.

Die Folgen, die diese Entscheidungen haben, sind in der Wirtschaft bereits deutlich. Ob der derzeitige Personalmangel jedoch ein nachhaltiges Umdenken in der Gast-Branche nach sich ziehen wird, muss sich in den nächsten Monaten zeigen.

Fluktuation als Chance für einen Wandel

Die hohe Fluktuationsquote im Niedriglohnsektor kann auch als Chance verstanden werden. Vor allem als Chance dafür, die Arbeitsbedingungen der abwandernden Mitarbeiter:innen zu verbessern. Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit und Wertschätzung ist nach wie vor deutlich präsent. Die aktuelle Problematik sollte als Signal verstanden werden, der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zu folgen und die eigenen Mitarbeitenden wieder stärker in den Fokus des eigenen Unternehmens zu rücken. Schon lange kündigt sich ein Ende der Austauschbarkeit und des Überflusses an und nun muss gehandelt werden.

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