Ist Menschenkenntnis erlernbar? Die Intuition eines Recruiters

Veröffentlicht am von Maria Günther

Recruiting, Interviews und Einschätzungen – wie wichtig ist die Menschenkenntnis?

Voraus geschickt, dies ist unsere rein auf eigene berufliche und persönliche Erfahrung basierende Einschätzung, die nichts mit neuesten wissenschaftlichen kognitiv-psychologischen Erkenntnissen zu tun hat. ABER was sagten schon unsere Eltern: Der erste Eindruck zählt. Innerhalb von Sekunden bildet sich der Mensch eine Vorstellung seines Gegenübers, welche sich dann nur sehr schwierig korrigieren lässt. Fällt diese Vorstellung gut aus? Oder schlecht? Wir erklären, warum eine gute Menschenkenntnis im Recruiting wichtig ist und warum es oft von Vorteil ist, auf diese zu hören.

Als Recruiter muss man sich im Prozess des Besetzens von vakanten Stellen häufig auf seine eigene Intuition verlassen. Schon der Lebenslauf kann einen ersten Eindruck darüber vermitteln, wie passend- oder unpassend ein Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ist. Ein schriftlicher CV, der mit Fertig- und Fähigkeiten schon eine Art Selbstreflektion ist, liefert essentielle Informationen über den Kandidaten und gibt einen ersten Eindruck über seine Arbeitsweise. Ist der CV klar gegliedert, grammatikalisch und sachlich gut aufbereitet, kann dies schon ein erster Aufschluss über die Arbeitsweise des Kandidaten sein. Doch ein persönliches Gespräch zwischen Recruiter und Kandidat fördert meist Informationen zu Tage, die ausschlaggebend für einen positiven oder negativen bleibenden Eindruck sind. Durch seine seine Intuition, ergänzt um die eigene Menschenkenntnis, die aus persönlichen Erfahrungen resultiert, weiß ein Recruiter, wie solche Informationen für Personalentscheidungen verarbeitet werden müssen. Aber wie sicher ist so ein Bauchgefühl? 

Menschenkenntnis beschreibt die Fähigkeit oder das Vermögen, direkte oder indirekte Gesprächspartner aufgrund eines ersten Eindrucks in ihrem Verhalten, Charakter und Fähigkeiten einzuschätzen und zu beurteilen. Eine gute Menschenkenntnis ist nicht angeboren, sondern bildet sich durch den häufigen Umgang mit Menschen und Personengruppen, sowie einer guten Kommunikationsfähigkeit, heraus und entwickelt sich durch eigene Erfahrung weiter. Kurzum: Ja, Menschenkenntnis ist lernbar. Aber welche Faktoren spielen für die Herausbildung und Entwicklung eine Rolle?

Eine gute Menschenkenntnis hängt immer mit der eigenen Metakognition zusammen, also dem Nachdenken über das eigene Wissen und die eigenen Fähigkeiten. Wer sich selbst realistisch in seinen eigenen Talenten und Fähigkeiten einschätzen kann, hat ein gutes Gespür dafür, auch andere Menschen mit wenigen Informationen realistisch einzuschätzen. Die Wahrnehmung einer Person und der erste Eindruck ist dabei sehr situations- und umgebungsabhängig. Auch Faktoren wie Sprache, äußeres Erscheinungsbild und Körpersprache des Gegenübers spielen in der ersten Einschätzung einer Person eine wichtige Rolle. 

All diese Faktoren und ihre, daraus abgeleiteten Informationen, trägt der Recruiter in einem Persönlichkeitsprofi zusammen. Ein Eindruck, ein Gespräch ist schon sehr zielführend, um mit der nötigen Menschenkenntnis und der Selektionskompetenz eines Recruiters, effiziente Personalentscheidungen treffen zu können. Natürlich kann dieser subjektive Eindruck auch durch Potenzialanalysen und fundierten Kompetenztests vertieft und abgesichert werden.

Dann ist da noch die Intuition, das Bauchgefühl. Im Gegensatz zur Menschenkenntnis scheinbar nicht erlernbar. Hochinteressantes Thema, wie uns manchmal genau diese Intuition zu einem sachliche-fundierten Eindruck in die Parade fährt! Wir können manchmal gar nicht beschreiben, warum es so ist. Hier spielen bewusste wie unbewusste Komponenten eine große Rolle. Wer in Entscheidungssituationen selbstreflektiert mögliche Folgen und (Miß-)Erfolge analysiert, hilft seiner Intuition auch in Zukunft schneller Erfolgsentscheidungen zu treffen. 

Gleichzeitig ist Irren auch menschlich und sich in Menschen zu täuschen und einen falschen ersten Eindruck einer Person zu gewinnen, gehört genauso zu einem Recruiter wie zu jedem normalen Menschen auch. Nichts desto trotz sollte man seiner eigenen Intuition und Menschenkenntnis großes Vertrauen schenken und sich in seiner täglichen Arbeit darauf verlassen, denn dieser angestoßene Lernprozess begleitet uns unser ganzes Leben und entwickelt sich immer weiter.